Seit den Sommermonaten feiern wir nun einmal im Monat in unserer Kirche einen sogenannten „Choralgottesdienst“. Diese Gottesdienstform knüpft bewusst an die reiche reformierte Liturgietradition an, die heute besonders in den Niederlanden noch lebendig ist. Das Handbuch der Protestantischen Kirche in den Niederlanden beschreibt den Choralgottesdienst als eine Feier, in der die Schönheit reformierter Liturgie in besonderer Weise sichtbar und hörbar wird. 

Calvin maß dem Gemeindegesang eine herausragende Bedeutung bei. Er bezeichnete die Psalmen als eine „Anatomie aller Teile der Seele“, weil sie Freude und Trauer, Klage und Hoffnung, Buße und Dank in einzigartiger Weise vor Gott bringen. Deshalb erhielten die Psalmen bzw. der Psalter in den reformierten Kirchen einen festen Platz im Gottesdienst. Sie sind nicht lediglich musikalische Einlagen oder Übergänge zwischen einzelnen liturgischen Teilen, sondern selbst Verkündigung und Gebet. 

Der Choralgottesdienst möchte diese Tradition neu zur Geltung bringen. Die Liturgie wird in besonderer Weise von Psalmengesängen und Chorälen getragen. Die einzelnen Teile des Gottesdienstes – Votum, Schuldbekenntnis und Gnadenzuspruch, Schriftlesungen und Glaubensbekenntnis, die Predigt, Gebete und Segen – werden durch den gemeinsamen Gesang miteinander verbunden. Dadurch entsteht kein Gottesdienst mit „mehr Musik“, sondern eine Gottesdienstform, in der Gesang, Gebet und Predigt eine innere Einheit bilden. 

Zur Schönheit des Gottesdienstes gehört schließlich auch eine würdevolle Haltung. Reformierte Frömmigkeit kennt weder äußeren Prunk noch aufgesetzte Schlichtheit um ihrer selbst willen. Alles soll der Ehre Gottes dienen. Dazu kann auch unsere Kleidung gehören. Wer zum Gottesdienst kommt, tritt vor das Angesicht des lebendigen Gottes und versammelt sich mit der Gemeinde Jesu Christi. Eine gepflegte und dem Anlass angemessene Kleidung kann Ausdruck von Ehrfurcht, Dankbarkeit und Freude sein. So macht auch unser äußeres Verhalten sichtbar, dass wir den Gottesdienst als etwas Besonderes ansehen – als eine Begegnung mit Gott selbst. 

Wir laden Sie herzlich ein, die Choralgottesdienste mitzufeiern. Tauchen Sie ein in die Psalmen, die vertrauten Choräle, die geordnete Liturgie und die Stille vor Gott. Vielleicht entdecken Sie neu, was Generationen reformierter Christen getragen hat: dass die wahre Schönheit des Gottesdienstes nicht in dem liegt, was Menschen hervorbringen, sondern darin, dass Christus selbst seiner Gemeinde begegnet.