Liebe Schwestern und Brüder im HERRN,
liebe Gäste im Tempel unseres Glaubens,
liebe Konsistoriale im Apostelamt unserer Kirche,

2026 thorsten telder

mit diesem Gemeindeblatt leiten wir den Herbst ab Mitte September ein. Ein drückend heißer Sommer (zumindest in unserer Region) liegt hinter uns. Nun wird die Ernte auf den Feldern eingebracht, die Tage werden immer kürzer und die Bäume verlieren ihre Blätter. Die Schöpfung erinnert uns daran, dass unser Leben nicht stillsteht, sondern von Veränderungen geprägt ist. Mitten hinein spricht die Liedzeile, die Sie auf dem Titelbild lesen können: „Weiß ich den Weg auch nicht, DU weißt ihn wohl.“ Sie lädt uns ein, den Blick von uns selbst auf Gott zu richten. Nicht unser Wissen und nicht unsere Fähigkeit, alles im Griff zu haben, tragen unser Leben. Es ist Gottes Treue, die uns trägt.

Die reformierte Tradition hat dieses Vertrauen immer wieder betont. Auch wenn wir seine Wege oft nicht verstehen, dürfen wir darauf vertrauen, dass unser Leben in seiner guten Hand geborgen ist. Gottes Vorsehung bedeutet nicht, dass uns Leid, Zweifel oder schwere Wege erspart bleiben. Sie bedeutet vielmehr, dass uns nichts aus seiner Hand reißen kann und dass er selbst auf krummen Zeilen gerade schreibt.

Bei Trauerfeiern oder auf dem Friedhof beginne ich immer mit der ersten Frage des Heidelberger Katechismus nach dem Trost im Leben und im Sterben. Seine Antwort beginnt nicht bei unseren Möglichkeiten, sondern bei Christus: „Dass ich mit Leib und Seele, beides im Leben und im Sterben, nicht mein, sondern meines getreuen Heilandes Jesu Christi eigen bin.“ Daraus erwächst doch die Freiheit, den nächsten Schritt zu gehen, auch wenn wir den ganzen Weg noch nicht erkennen. Unser Glaube ruht nicht auf der Sicherheit unserer Pläne, sondern auf der Gewissheit, dass Christus Herr ist und seine Gemeinde, und auch uns selbst, führt.

So münden die kommenden Monate im Ewigkeitssonntag. Wir erinnern uns an diesem besonderen Tag an Menschen, die uns im Glauben vorausgegangen sind, und werden daran erinnert, dass unsere Hoffnung über die Grenzen dieses Lebens hinausreicht. Unser Ziel ist nicht unbekannt, weil Gott selbst unser Anfang und unser Ende ist. Er hat in Jesus Christus den Weg zu sich eröffnet und verheißt uns neues Leben.

Und vielleicht ist das die tiefste Botschaft der Liedzeile: Nicht wir müssen den Weg kennen – wir dürfen den kennen, der der Weg ist. Darum können wir auch dann getrost weitergehen, wenn unser Blick nur bis zur nächsten Wegbiegung reicht. Gott bleibt derselbe – gestern, heute und in Ewigkeit.

Ich wünsche Ihnen für die Herbstmonate Gottes Segen: Vertrauen statt Angst, Hoffnung statt Resignation und die Gewissheit, dass wir als Gemeinde gemeinsam unterwegs sind – geführt von dem Gott, der unsere Wege kennt und uns niemals verlässt. Und ich freue mich schon jetzt, wenn sich ab und zu unsere Wege bei unseren Gottesdiensten oder Veranstaltungen kreuzen werden.

Bleiben Sie bewahrt und behütet

Ihr Pfarrer Torben W. Telder